Mass Effect
Letztens habe ich ein neues Game ausgepackt und durchgezockt. Kurz: es ist ein verdammt gutes Spiel.
Das Spiel ist von Bioware. Und wer Bioware kennt weiß, dass die Jungs sich verdammt gut an die großen Tugenden halten, die für mich ein gutes Spiel ausmachen. Die Art und Weise, wie die Spielwelt, die Charaktere, die Geschichten ausgearbeitet wurden sind beeindruckend. Selten erlebt man bei einem Spiel einen ähnlichen Tiefgang. Selten gibt es mehr Dialoge - was Yahtzee zu einem seiner großartigen Rants veranlasst -, die natürlich und glaubwürdig sind.
Wir schreiben die Zukunft - die Menschheit hat die Technologie für einen Antrieb entwickelt, der es ihnen endlich ermöglicht aus dem Gefängnis physikalischer Gesetze auszubrechen. Dabei trifft die “Allianz”, wie die Menschheit sich nun nennt, auf außerirdische Rassen, die sich - nach einem bisschen Krieg - in einem Rat organisiert hat (Star Trek… hallo?). Die Allianz wird durch einen Botschafter vertreten, ist aber kein ständiges Mitglied des interstellaren Sicherheitsrates, was sie aber gerne wäre. Hier tritt der Spieler auf. Mr. oder Mrs. X Shepard. Shepard hat die Chance der erste menschliche “Spectre” zu werden - ein Agent, der über dem Gesetz steht und nur dem Rat berichten muss. Und so macht man sich an die Aufgabe die bekannte Galaxie zu retten.
Das Spiel selbst ist ein Action-Rollenspiel. Man ballert sich durch das Universum, unterstützt von “Tech” oder “Biotics” - besondere Fähigkeiten (technologisch und mystisch), die Schilde überladen können, Leute durch die Gegend werfen können (die Macht, yeah) etcpp. Man sammelt Erfahrungspunkte, die man wiederum - nach Levelaufstieg - verwenden kann um verschieden Talente aufzuwerten. Standard eigentlich. Das Regelwerk ist relativ einfach, die Talente je nach Klasse eingeschränkt aber sinnvoll. Man kann neue Items aufsammeln, die glücklicherweise automatisch ins Inventar wandern und diese noch mit Modifikationen aufwerten. Die Kämpfe sind leicht bis mittel schwer, visuell ansprechend (Unreal Engine 3) und mäßig ausbalanciert (dazu später mehr).
Die Welt an sich ist grandios. Auch wenn alle Klischees der Science-Fiction vollständig bedient werden, hat sich Bioware so viel Mühe mit der Ausgestaltung gegeben, dass ich nicht anders konnte als einzutauchen. Jede Rasse hat ihre Eigenarten, jeder Charakter seine eigenen Motivationen, die Konflikte sind glaubwürdig, die Welt in sich geschlossen. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Konsequenz der Ausgestaltung Star Trek Ausmaße annimmt. Zusätzlich wandern mit der Zeit immer mehr Informationen in eine digitale Enzyklopädie, die ich vollständig durchgelesen habe. Endlich wieder ein Spiel, das Wert auf das geschriebene Wort legt und dieses einzusetzen weiß.
Ich konnte mich ziemlich schnell mit dem archetypischen Hauptcharakter identifizieren - wobei der Archetyp natürlich seinen Teil dazu beiträgt. Spiele haben nun einmal den Anspruch unterhalten zu wollen. Es spricht nichts gegen einen Archetyp, wenn man dadurch schnell in die Welt hineinfindet. Ich habe auch eine Verbindung zu allen anderen Charakteren aufbauen können. Und da zeigt sich die Stärke von Bioware. Seit KOTOR (wie, ihr kennt KOTOR nicht?) waren mir Spielcharaktere nicht mehr so wichtig, konnte ich die Motivationen und Eigenheiten so nachvollziehen. Jeder Hersteller, der den Anspruch an sich stellt eine Geschichte erzählen zu wollen, sollte sich etwas von Bioware abgucken. Punkt.
Mass Effect war eigentlich nur für die XBox entwickelt worden. Aber das Flehen nach einer PC-Umsetzung wurde erhört. Yeah. Und Bioware hat alles richtig gemacht. Die Texturen wurden komplett überarbeitet (auch wenn sie stellenweise etwas schwammig sind), die Steuerung wurde angepasst und das Spiel kommt auf 2 DVDs heraus, damit man die freie Sprachwahl hat. Wow. Ich habe das Spiel auf Englisch gespielt, was ich euch nur empfehlen kann.
Nun zu den negativen Eindrücken. Die Balance ist… schwierig. Man hat eine relativ offene Welt. Man kann selbst entscheiden wie viele Sidequests man annehmen will. Löst man zu wenige Sidequests, kann ich mir vorstellen, dass die Kämpfe gegen Ende sehr schwer werden. Löst man zu viele, spaziert man unbeschadet durch die Konflikte. Die Sidequests sind repetitiv. Die Sidequests sind repetitiv. Die Sidequests… Auch wenn oft sehr gute Geschichten eingewoben sind, sieht es immer so aus: man landet auf einem Planeten, fährt mit einem grauenhaft ungelenken Fahrzeug auf einem leeren Planeten (naja, sooo schlimm war die Leere gar nicht; es ist schon einleuchtend, dass die meisten Planeten nun einmal nicht so aussehen wie der Regenwald) zu bestimmten Punkten, ballert mit überstarken Borkanonen ein paar Gegner um, steigt aus, geht in eine immer ähnlich aussehende Station und ballert den Rest um.
Das Spiel ist ziemlich bugverseucht. Bei mir stürzte es nach einiger Zeit ab. Also musste ich so oft wie möglich speichern, was den Spielfluss deutlich einschränkte.
Das Spiel ist kurz. Schade. Die Geschichte ist großartig erzählt. Aber nach etwa 15 Stunden war schluss - wobei ich ziemlich viele Sidequests angenommen habe.
Wieso man sich das Spiel nicht kaufen sollte: DRM. EA. Internetaktivierung. Sorry, aber wer sich ein Spiel kauft, das darauf ausgelegt ist bei Auslieferung defekt zu sein, ist selbst schuld. Das ist zwar nicht Biowares Fehler, aber Leute… führt bitte irgendein Developer mal eine Klausel in den Publishingvertrag ein, dass solche Restriktionen einfach nicht erlaubt sind? Bitte? Damit nehmt ihr euch selbst die Grundlage für euer Gescäft. Freude und Zufriedenheit des Kunden.
Fazit: Gehört auf jeden Fall in die Liste der besten x Spiele.
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